Themen/Gewerbliche Wirtschaft/Anpassungsstrategien

Teilprojekt 1.2 - Klimaanpassungs- und Innovationsstrategie für regionale Wirtschaft

Der Klimawandel hat vielfältige Auswirkungen auf die Unternehmen in der Modellregion Dresden. Die zunehmende Anzahl heißer Tage sowie ansteigende Maximaltemperaturen wirken sich direkt auf die Produktionsbedingungen aus. Beispielsweise sind die Klimatisierung von Produktionsräumen oder die Kühlung von Kühl- und Tiefkühllagern betroffen. Werden die ausgelegten Grenztemperaturen von technischen Anlagen überschritten, kann dies zu Qualitätsminderungen der hergestellten Produkte oder zu Produktionsausfällen führen. Zunehmende Wärme- und Hitzetage haben Einfluss auf die Behaglichkeit und damit auf die physische Belastbarkeit der Mitarbeiter. Indirekt beeinträchtigen die erhöhte Anzahl der Tropennächte die nächtlichen Regenerationsphasen der Mitarbeiter. Zudem verringert sich die Versorgungssicherheit mit Wasser und Energie durch Extremwetterereignisse wie Hochwasser oder Trockenheit. Aber auch der Abbau und die Zulieferung von Energie-und Rohstoffen werden durch extreme Wetterverhältnisse schwieriger, woraus Produktionseinschnitte folgen können. Zusätzlich ergibt sich im Zuge des Klimawandels vermutlich ein struktureller Wandel der Nachfrage nach Konsumgütern. Dies macht neue Märkte möglich, kann aber auch bestehende Marktchancen reduzieren. Der Klimawandel ist für die gewerbliche Wirtschaft in der Modellregion Dresden folglich mit Chancen und Risiken verbunden, die branchenspezifisch oder branchenübergreifend von Bedeutung sein können.

Folgende zentrale Fragestellungen begleiteten den Forschungsprozess:

  • Welche Branchen sind vom Klimawandel betroffen?
  • Wie sind die individuellen Unternehmen gegenwärtig und künftig vom Klimawandel betroffen?
  • Welche Strategien zur Anpassung an den Klimawandel verfolgen die Unternehmen?
  • Wie können sich die Unternehmen an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen?
  • Welche Faktoren beeinflussen den Anpassungsprozess?

 

Nachfolgend erhalten Sie Informationen über Ziele, Forschung, Ergebnisse, Produkte und Partner des Teilprojektes.


Ziele

Das Teilprojekt 1.2 verfolgt sechs primäre Ziele:

Volkswirtschaftliche Analyseder Betroffenheit von Branchen
Die Analyse der Betroffenheit der Branchen in der Modellregion Dresden erfolgt mittels einer Klimasensibilitätsanalyse und einer Wirtschaftsstrukturanalyse. Das Ziel der Klimasensibilitätsanalyse ist es, Wirtschaftsbereiche zu identifizieren, die in Relation zur Wirtschaftsleistung im überdurchschnittlichen Maße im Vergleich zu anderen Branchen Energie und/oder Wasser verbrauchen. Branchen mit einer höheren Wasser- und/ oder Energieintensität stehen einem höheren Anpassungsdruck durch steigende Preise auf diesen Märkten gegenüber. Das Ziel der Wirtschaftsstrukturanalyse ist es, die für die Modellregion Dresden wirtschaftlich relevanten Branchen zu identifizieren.

Betriebswirtschaftliche Analyse der Betroffenheit von Unternehmen
Die Analyse der Betroffenheit der Unternehmen in der Modellregion Dresden wird differenziert nach Branche, Unternehmensgröße und Klimawandelfolge durchgeführt. Ziel der Betroffenheitsanalyse ist, festzustellen, inwieweit Unternehmen direkt, d. h. natürlich-physikalisch, oder indirekt, d. h. marktlich oder regulatorisch, vom Klimawandel betroffen sind. Für die Analyse werden die unternehmerischen Wertschöpfungsstufen hinzugezogen, d. h. es wird analysiert wie der Klimawandel auf Beschaffung, Produktion, Absatz, Entsorgung, Logistik, Personal/ Organisation, Marketing, Forschung & Entwicklung sowie Controlling wirkt.

Bereitstellung möglicher unternehmerischer Anpassungsmaßnahmen für Unternehmen

Für Unternehmen der Modellregion Dresden ist eine Datenbank mit Anpassungsmaßnahmen zu erstellen, die sowohl branchenübergreifende als auch branchenspezifische Anpassungsmaßnahmen beinhaltet. Die Anpassungsmaßnahmen sind einerseits aus der Literatur entnommen und andererseits im Rahmen von Fallstudien erarbeitet. Ziel der Datenbank ist es, Unternehmen der Modellregion Dresden über mögliche Anpassungsmaßnahmen zu informieren. Gleichzeitig erhalten die Unternehmen darüberhinaus weitere Informationen wie z. B. zu welchem Zeitpunkt die Anpassungsmaßnahme umzusetzen ist, welche Kosten damit verbunden, wann sich die Anpassungsmaßnahme amortisiert hat und welche Wirkung in Hinblick auf den Klimaschutz von der Anpassungsmaßnahme ausgeht.

Ableitung von Strategien zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels

Die Ableitung von unternehmensübergreifenden Strategien zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels basiert einerseits auf einer Übertragung von Unternehmensstrategien aus anderen umweltrelevanten Bereichen auf den Klimawandel. Andererseits wurden diese  unternehmensübergreifenden Strategien mit einer Vielzahl von Wirtschaftsvertretern diskutiert. Ziel der Formulierung unternehmensübergreifender Strategien ist, Unternehmen zu unterstützen, die für sie passende Anpassungsstrategie zu wählen, um letztlich die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken zu vermeiden bzw. zu vermindern und mögliche Chancen zu nutzen. Für eine anschaulichere Darstellung werden branchenspezifische Beispiele angeführt.

Entwicklung eines Tools zur interaktiven Einflussanalyse für Unternehmen

Die interaktive Einflussanalyse für Unternehmen verfolgt das Ziel, Unternehmen bei der Anpassung an die Klimawandelfolgen zu unterstützen. Basierend auf Literaturrecherchen, Experteninterviews und Befragungen werden Faktoren identifiziert, die erklären, warum eine Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels nicht in dem erwünschten Maße voranschreitet. Die Einflussanalyse ist derart gestaltet, dass Unternehmen diese selbständig durchführen können.

Erarbeiten spezifischer Informationsbroschüren für Unternehmen
Basierend auf den Ergebnissen der Arbeitspakete 1 bis 5, aber auch durch das Teilprojekt 2.3 werden umfassende Informationsbroschüren zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels erarbeitet. Ziel ist es, Faktenblätter zu entwickeln, die entweder einen Branchenbezug haben (z. B. Energiewirtschaft) oder auf einen Prozess fokussieren (z. B. Energieversorgung). Mittels dieser Faktenblätter sollen Unternehmen schnell einen Überblick über die Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Branche bzw. unternehmensspezifische Prozesse und mögliche Anpassungsmaßnahmen erhalten sowie geeignete Methoden kennenlernen.

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Forschung

Volkswirtschaftliche Analyse

Ermittlung der Energie- und Wasserintensitäten für verschiedene Wirtschaftsbranchen mittels einer Input/Output-Rechnung und Gegenüberstellung der Daten für Gesamtdeutschland;

  • Energieintensität: Verhältnis von Energievorleistung zum Produktionswert
  • Wasserintensität: Verhältnis von Wasservorleistung zum Produktionswert
  • Daten der Input/Output-Rechnung basieren auf dem Jahr 2006


Wirtschaftsstrukturanalyse: Ermittlung der branchenspezifischen Anteile an Bruttowertschöpfung (nominal) und Erwerbstätigkeit (nach Arbeitsortprinzip) auf regionaler Ebene und Gegenüberstellung mit vergleichbaren Daten Gesamtdeutschlands. Die Daten sind dem Jahr 2006 entnommen. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Betriebswirtschaftliche Analysen

Methode 1:Systematischer Literaturreview nach Fink

Basis der Forschungsarbeiten bildeten branchenübergreifende und branchenspezifische (Wasserwirtschaft, Energiewirtschaft, Bauindustrie, Verarbeitendes Gewerbe, Tourismus) systematische Literaturrecherchen nach Fink (2010) (Vgl. Abb. 1). Ziel der Literaturrecherchen ist, den aktuellen Forschungsstand abzubilden. Diese Recherchen wurden im Laufe der Projektlaufzeit regelmäßig erneuert und in die Projektergebnisse integriert. Im Mittelpunkt der Literaturauswertung standen die Wahrnehmung des Klimawandels, die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen, realisierte und potentielle Anpassungsmaßnahmen, Anpassungsstrategien sowie finanzielle Konsequenzen positiver und negativer Art.

Abb. 1: Schritte einer systematischen Literaturrecherche (Quelle: FINK, A. (2010): Conducting research literature reviews: From the Internet to Paper. Sage. Thousand Oaks)

Methode 2: Kurzbefragung im Verarbeitenden Gewerbe
Für die Abbildung des aktuellen Standes der Betroffenheit der Wirtschaft wurden exemplarisch im Jahre 2010 und 2013 im Rahmen des ifo-Konjunkurtests gemeinsam mit dem ifo-Institut eine deutschlandweite Befragung des Verarbeitenden Gewerbes durchgeführt. Dabei wurden insgesamt ca. 2600 (2010) sowie 2700 (2013) Unternehmen zusätzlich zu Klimaeffekten befragt. Die Befragung erfolgte schriftlich per Fragebogen oder Online.

Methode 3: Experteninterviews
In einem nächsten Schritt wurden für weitere Erkenntnisse Interviews mit Experten aus der Modellregion Dresden durchgeführt. Um einen umfassenden Einblick zu erlangen, wurden basierend auf der volkswirtschaftlichen Analyse verschiedene Branchen ausgewählt. Die standardisierten Experteninterviews wurden mit mehr als 50 Unternehmensvertretern geführt. Die Auswahl der Unternehmen erfolgte gemeinsam mit der IHK Dresden, der Wirtschaftsförderung Dresden, der TU Dresden, dem Lehrstuhl für Betriebliche Umweltökonomie sowie dem Lehrstuhl für Finanzwissenschaft, der TU Bergakademie Freiberg, dem Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik, Lehrstuhl für Gas- und Wärmetechnische Anlagen. Zusätzlich wurden Unternehmen, die dem Cluster Hochtechnologie als Plattformtechnologie für verschiedene Branchen zuzuordnen sind, in die Befragung einbezogen. Zur Hochtechnologie zählen die Kompetenzfelder Mikroelektronik/ Informations- und Kommunikationstechnologie; Nanotechnologie/ Neue Werkstoffe/Photovoltaik; und Mikroelektronik/ Informations- und Kommunikationstechnologie.
Inhalt der Experteninterviews waren:

  • Wahrnehmung des Klimawandels
  • Betroffenheit des Klimawandels differenziert nach Wertschöpfungsstufen
  • Anpassungsmaßnahmen differenziert nach bereits realisierten und potentiellen Anpassungsmaßnahmen
  • Finanzielle Betroffenheit durch die Auswirkungen des Klimawandels und der Anpassungsmaßnahmen


Methode 4: Befragung zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Handwerksbetriebe
Basierend auf den Ergebnissen der Interviews wurde in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Dresden eine großzahlige Befragung bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)  der Modellregion Dresden im Juni 2012 durchgeführt. Im Fokus dieser Befragung standen wiederum die Wahrnehmung des Klimawandels, die Betroffenheit von Extremwetterereignissen in der Vergangenheit und Zukunft, realisierte Anpassungsmaßnahmen und Faktoren, die einen Einfluss auf die Realisierung der Anpassung haben.

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Volkswirtschaftliche Analyse der Betroffenheit von Branchen

Wie in Tabelle 1 aufgeführt, sind die Branchen „Grundstücks- u. Wohnungswesen, Vermietung beweglicher Sachen, Erbringung wirtschaftliche Dienstleistungen“, „Herstellung von Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen u.a.“ sowie „Handel und Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und Gebrauchsgütern“ für die Modellregion Dresden von sehr hoher wirtschaftlicher Relevanz. Eine vergleichsweise hohe Bedeutung für die Modellregion Dresden hat ebenfalls das Baugewerbe aufgrund der relativ hohen Bruttowertschöpfung und Erwerbstätigen zahl. Dies ist immer noch auf den mit der Wiedervereinigung zusammenhängenden Bauboom zurückzuführen, der zwar seit Mitte der 90er Jahre rückläufig, doch immer noch nachhallt. Von wirtschaftlicher Relevanz sind des Weiteren die „Metallerzeugung und -bearbeitung, Herstellung von Metallerzeugnissen“ als Teil des Verarbeitenden Gewerbes.

Eine hohe Energieintensität ist im Verarbeitenden Gewerbe zu finden, vor allem in der „Metallerzeugung und -bearbeitung, Herstellung von Metallerzeugnissen“, im „Maschinenbau“, bei der „Herstellung von Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen u. a.“ sowie bei der „Herstellung von Möbeln u. a.“. Aber auch das Baugewerbe und die Sub-Branche „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und Gebrauchsgütern“ zählen zu den energieintensiven Branchen.

Eine hohe Wasserintensität weist das Verarbeitende Gewerbe auf, aber auch das Gastgewerbe. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes sind vor allem die Sub-Branchen „Ernährungsgewerbe und Tabakverarbeitung“, „Papier-, Verlags- und Druckgewerbe“ sowie „Glasgewerbe, Herstellung von Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden“ zu nennen, die einen überdurchschnittlichen Wasserverbrauchaufweisen. (AUERSWALD, A. & VOGT, G., 2010)

Tabelle 1: Wirtschaftliche Relevanz und Klimasensibilität der Branchen in der Modellregion Dresden (Quelle: AUERSWALD, A. & VOGT, G., 2010) WZ: Wirtschaftszweige E: überdurchschnittlich energieintensiver Bereich (fossile Rohstoffe und Elektrizität und Fernwärme), W: überdurchschnittlich wasserintensiver Bereich, Klicken um zu vergrößern.

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Systematisches Literaturreview nach Fink

Die Methodik des systematischen Literaturreviews kann als systematische, explizite und reproduzierbare Methode für die Identifikation, Bewertung und Darstellung der existierenden Forschungsarbeiten im jeweiligen Interessenschwerpunkt definiert werden. Diese Methode wurde im Rahmen des Teilprojektes 1.2 verwendet, um den aktuellen Stand der Forschung im Bereich Klimawandelanpassung von Unternehmen zu ermitteln.International wurden verschiedene Studien zur unternehmerischen Klimawandelanpassung durchgeführt. In einem aktualisierten systematischen Literaturreview sind die Inhalte der Studien aufgegriffen. Von besonderem Interesse ist, dass die meisten Studien einen Branchenfokus haben, häufig die Betroffenheit analysieren und welche Anpassungsmaßnahmen möglich sind. Im Allgemeinen beschränken sich die Studien auf Fallstudien, d.h. auf exemplarische Unternehmen. Im Gegensatz zu den bisherigen Studien grenzen sich unsere Arbeiten dahingehend ab, dass wir mehre Branchen betrachten und eine Vielzahl von Unternehmen in unsere Untersuchungen miteinbeziehen.

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Betriebswirtschaftliche Analyse der Betroffenheit von Unternehmen

a) Kurzbefragung im Verarbeitenden Gewerbe
Eine Haupterkenntnis einer im Jahr 2010 durchgeführten deutschlandweiten Befragung bei Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes ist, dass sich fast zwei Drittel der Unternehmen von Extremwetterereignissen im Allgemeinen weder positiv noch negativ betroffen fühlte. Bei sächsischen Unternehmen wirkten sich speziell Kältewellen und Starkniederschläge negativ aus. Künftig erwarten sächsische Unternehmen zunehmende Auswirkungen auf ihre Wertschöpfungsstufen. Dabei werden für die Wertschöpfungsstufen Innovation und Absatz eher positive Auswirkungen angenommen und für die Wertschöpfungsstufen Einkauf, Produktion und Logistik eher negative Auswirkungen.
Die im Februar 2013 wiederholte Befragung kommt sowohl bei der deutschlandweiten als auch bei der sächsischen Betrachtung zu vergleichbaren Ergebnissen, d. h. die Betroffenheit vom Klimawandel bzw.
von Extremwetterereignissen hat über den betrachteten Zeitraum weder zu- noch abgenommen.

b) Experteninterviews mit Unternehmensvertretern verschiedener Branchen
Die Analyse der Interviews ergab eine deutlich höhere Betroffenheit über alle einbezogenen Branchen im Vergleich zur zuvor durchgeführten Befragung. Dies trifft jedoch vor allem auf die Unternehmen aus der Energie- undWasserwirtschaft, dem Tourismus, dem Ernährungs- und Tabakgewerbe und dem Verarbeitenden Gewerbe zu. Eine geringere Betroffenheit äußerten z.B. die Unternehmendes Maschinenbaus(Untergruppe des Verarbeitenden Gewerbes). Aber selbst innerhalb einer Branche variiert die Betroffenheit stark. Dies ist u.a. mit dem konkreten Standort des Unternehmens zu begründen. So berichten selbst Unternehmender Maschinenbaubranche, die einen flussnahen Standort inne haben, aufgrund des Hochwassersim August 2002 stark betroffen gewesen zu sein. Bei Betrachtung der Wertschöpfungsstufen wird deutlich, dass beispielsweise die Wertschöpfungsstufen Produktion und Logistik häufiger vom Klimawandelbetroffen sind als dies bei der Entsorgung oder dem Marketing der Fall ist. Auch konnten branchenbezogene Spezifika herausgearbeitet werden. So empfinden die Unternehmendes Baugewerbes und des Tourismus eine deutlich höhere Bedrohung durch den Klimawandel. Basierend auf diesen Untersuchungen wird deutlich, dass die Unternehmen vom Klimawandel betroffen sind, auch wenn dieses Bewusstsein gegenwärtig bei einer Vielzahl von Unternehmen nicht ausgeprägt ist. Daher ist es unvermeidbar, Unternehmen bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels zu sensibilisieren. Dazu sind die Unternehmen in einem ersten Schritt zu informieren, sodass sie ihre eigene Betroffenheit selbst analysieren können.

c) Befragung zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Handwerksbetriebe
Die im Juni 2012 durchgeführte Befragung „Auswirkungen des Klimawandels auf Handwerksbetriebe“ in der Modellregion Dresden kommt zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel der Unternehmen den Klimawandel wahrnimmt. Allerdings fühlte sich in der Vergangenheit die Mehrheit der Unternehmen von Extremwetterereignissen nicht betroffen. Diejenigen Unternehmen, die sich vom Klimawandel betroffen fühlten, sahen den größten negativen Einfluss bei den Kältewellen, gefolgt von Starkniederschlägen, Hitzewellen und Stürmen. Für die Zukunft erwartet eine höhere Zahl an Unternehmen negative Auswirkungen. Dies wird vor allem bei Stürmen und Starkniederschlägen deutlich. Die größten negativen Effekte werden jedoch weiterhin bei den Kältewellen gesehen.
Insgesamt ist festzuhalten, dass zum einen Wissensdefizite und zum anderen die fehlenden finanziellen Ressourcen des Unternehmens Faktoren sind, die den Anpassungsprozess behindern. Daher ist es zunächst von Bedeutung, den Unternehmen bewusst zu machen, welche konkreten Auswirkungen der Klimawandel auf den Betrieb haben kann. Dazu sind Unternehmen mit geeigneten Informationen über den Klimawandel zu versorgen. Weiterhin wäre es sinnvoll, Unternehmen zu eigenen Risikoanalysen zu motivieren bzw. in künftige Risikoanalysen den Klimawandel bzw. Extremwetterereignisse einzubeziehen. Bei solchen Analysen könnte sich zeigen, dass das Unternehmen nicht immer direkt vom Klimawandel betroffen ist, sondern auch indirekt über Lieferanten und Kunden. In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, welche finanziellen Konsequenzen eine verzögerte Lieferung für die eigene Produktion oder Auftragserfüllung hätte oder wie sich veränderte Kundenwünsche auf Umsatz und Gewinn auswirken.

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Unternehmens-Maßnahmendatenbank

Unternehmen der Modellregion Dresden erhalten durch die Unternehmens-Maßnahmendatenbank Anregungen für Anpassungsmaßnahmen. Dabei stehen Informationen zu folgenden Punkten zur Verfügung: Wirkung der Anpassungsmaßnahme, betroffene Wertschöpfungsstufe, Klimaschutzwirkung, Zeitpunkt der Umsetzung, Investitionskosten, Schutz vor Klimaereignis, und betroffener Prozess/Bereich.

Bereitstellung möglicher unternehmerischer Anpassungsstrategien für Unternehmen

In Abhängigkeit der eigenen Betroffenheit des Unternehmens und der individuellen Reaktionsfähigkeit können Unternehmen der Modellregion Dresden eigenständig ihre Anpassungsstrategie ableiten, um am Markt künftig bestehen zu können. Dabei kann die Strategie für das gesamte Unternehmen oder für einzelne Unternehmensbereiche bzw. Wertschöpfungsstufen greifen. Die entwickelte Matrix für Strategien zur Anpassung an den Klimawandel soll Unternehmen unterstützen, eine entsprechende Strategie abzuleiten (Vgl. Abb. 2).


Die entwickelte Matrix kann sowohl auf das gesamte Unternehmen angewendet werden als auch für einzelne Unternehmensbereiche bzw. Wertschöpfungsstufen. Im Wesentlichen werden vier Strategien vorgeschlagen: Substituieren, Flexibilisieren, Antizipieren, Vermeiden bzw. Versichern. Eine geringe Reaktionsfähigkeit liegt insbesondere dann vor, wenn das Kapital in hohem Umfang gebunden ist, lange Forschungs- und Entwicklungszeiträume vorliegen sowie eine hohe Termingebundenheit bei Aufträgen gegeben ist. Ist der Umfang des Anlagevermögens gering ausgeprägt, die Forschungs- und Entwicklungszeiträume eher kurzfristiger Natur und die Fristigkeit gering, besteht eher eine hohe Reaktionsfähigkeit:

  • Strategie „Vermeiden oder Versichern“: Gebäudeneubau oder Gebäudesanierung folgen einer Extremwetter-resistenten Bauweise, um Schäden aus Hochwasserereignissen oder Sturmereignissen vorzubeugen. Alternativkönnen künftige Schäden versichert werden.
  • Strategie „Antizipieren“: Zukünftige durchschnittliche Klimaveränderungen können bei heutigen Neubauten bereits berücksichtigt werden, wie z. B. Dachpappe auf Gebäuden, die zunehmende Strahlung und damit eine Erwärmung abhält.
  • Strategie „Flexibilisieren“: Auf Extremwetterereignisse wie z. B. einer Hitzewelle können Unternehmen durch flexibilisierte Arbeitszeiten reagieren oder bei Eintreten eines Hochwassers kurzfristig ihre Büroeinrichtung in eine andere Etage verlagern.
  • Strategie „Substituieren“: Bei veränderten Klimabedingungen müssen alternative Rohstoffe eingesetzt werden, wie z. B. Saatgut, welches gegenüber geringen Niederschlagsmengen und/ oder höheren Temperaturen resistent ist.
Abb. 2: Unternehmerische Anpassungsstrategien (Quelle: Technische Universität Dresden, Lehrstuhl für Betriebliche Umweltökonomie)

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Interaktive Einflussanalyse für Unternehmen


Unternehmen der Modellregion Dresden erhalten durch die Unternehmens-Maßnahmendatenbank Anregungen für Anpassungsmaßnahmen. Dabei stehen Informationen zu folgenden Punkten zur Verfügung: Erfolgt die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels im Unternehmen nicht wie gewünscht, so existieren meist bestimmte Ursachen. Mittels des vom Lehrstuhl für Betriebliche Umweltökonomie entwickelten Einflussanalysetools können Unternehmen Faktoren identifizieren, die den Anpassungsprozess hemmen. Unter einem hemmenden Faktor ist ein Störfaktor zu verstehen, der den Anpassungsprozess an die Auswirkungen des Klimawandels verzögert, beeinträchtigt oder auch völlig aufhalten kann. Diese Hemmnisse sind aber letztendlich durch eine geeignete Strategie überwindbar. Deshalb ist es wichtig, diese Hemmnisse zu kennen und diese im Rahmen des Anpassungsprozesses berücksichtigen zu können.
Das Einflussanalysetool liefert den Unternehmen als Ergebnis ein Hemmnisprofil sowie ein Hemmnisportfolio. Ziel des Hemmnisprofils ist es, die wahrgenommenen und nicht wahrgenommenen Hemmnisse z. B. einzelner Abteilungen zu identifizieren und gleichzeitig anhand ihrer Relevanz zu beurteilen. Ein wahrgenommenes Hemmnis ist umso relevanter, desto höher dessen Mittelwert ist. Weiterhin kann innerhalb des Hemmnisprofils die Spannweite der gegebenen Antworten abgelesen werden. Die Unterschiede in der Wahrnehmung eines Hemmnisses sind umso größer, je höher die Spannweite ist. Mit Hilfe des Hemmnisportfolios können dann die Hemmnisse klassifiziert werden und eine der folgenden Strategien abgeleitet werden: Best Practice Sharing, Entscheidungsanalyse, Problemanalyse oder Selektion.

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Informationsbroschüren für Unternehmen

Für Unternehmen wurden kurze und knappe Handreichungen erarbeitet, die entweder einen Branchenbezug haben oder sich auf einen spezifischen Prozess innerhalb des Unternehmens beziehen.
Die branchenspezifischen Faktenblätter stehen für folgende Branchen zur Verfügung:

  • Energiewirtschaft
  • Wasserversorgungsunternehmen
  • Wasserentsorgungsunternehmen
  • Baugewerbe
  • Verarbeitendes Gewerbe
  • Tourismus und Verkehr
  • Hochtechnologie

Die Struktur dieser branchenspezifischen Faktenblätter ist bei allen Faktenblättern vergleichbar:

  • Klimaentwicklung in der Modellregion Dresden
  • Chancen und Risiken der betrachteten Branche
  • Anpassungsmaßnahmen
  • Kosten des Klimawandels
  • Methoden und Instrumente, u.a. Differenzierte Kostenrechnung, Denken in Zukünften, Lebenszykluskostenrechnung, Ökonomisch-Ökologischer Nettoeffekt
  • Zusammenfassung


Die branchenübergreifenden Faktenblätter umfassen folgende Schlüsselprozesse:

  • Energieversorgung
  • Wasserversorgung
  • Wasserentsorgung
  • Gebäudehülle und Gebäudekühlung
  • Personal
  • Risikomanagement


Die Struktur dieser branchenübergreifenden Faktenblätter ist bei allen Faktenblättern vergleichbar:

  • Einführung
  • Klimaentwicklung in der Modellregion Dresden
  • Chancen und Risiken des betrachteten Schlüsselprozesses
  • Kosten des Klimawandels
  • Methoden und Instrumente, u.a. Differenzierte Kostenrechnung, Denken in Zukünften, Lebenszykluskostenrechnung, Ökonomisch-Ökologischer Nettoeffekt
  • Zusammenfassung


Des Weiteren wurden im Rahmen der Programmgrundlagen des Klimaanpassungsprogrammes umfangreiche Maßnahmenblätter erstellt.

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Produkte

Volkswirtschaftliche Analyse der Betroffenheit von Branchen

  • Auerswald, A.; Vogt, G. (2010): Zur Klimasensibilität der Wirtschaft in der Region Dresden, in: ifo Institut (Hrsg.): ifo Dresden berichtet, Heft 5.

Betriebswirtschaftliche Analyse der Betroffenheit von Unternehmen

  • Günther, E.; Stechemesser, K. (2011): Zu den Auswirkungen des Klimawandels im Verarbeitenden Gewerbe. Ergebnisse einer Befragung unter Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. In: Mediterranes (online-Version), 3. Jg., Heft 3.
  • Stechemesser, K.; Günther, E. (2011): Herausforderung Klimawandel - Auswertung einer deutschlandweiten Befragung im Verarbeitenden Gewerbe, In: Karczmarzyk, A.; Pfriem, R. (Hrsg.): Klimaanpassungsstrategien von Unternehmen, Marburg, S. 59-83.

Bereitstellung möglicher unternehmerischer Anpassungsmaßnahmen für Unternehmen

  • Unternehmens-Maßnahmendatenbank  


Strategien zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels

  • Strategie-Matrix mit Erläuterungen


Interaktives Einflussanalyse-Tool

  • Interaktives Einflussanalyse-Tool (derzeit noch in Erstellung)


Informationsbroschüren für Unternehmen


Branchenspezifische Faktenblätter


  • Günther et al. (2013): Faktenblatt Wasserentsorgungsunternehmen „Regionale Klimaanpassung für Wasserentsorgungsunternehmen“


Branchenübergreifende Faktenblätter



Weitere Publikationen:

  • Günther, E. (2011): Herausforderungen mit Zukunft - Unterschätzter Klimawandel In: IHK.Wirtschaft, Jg. 2011, Heft 10.
  • Günther, E.; Stechemesser, K. (2010): Klimawandel - Herausforderung für die Unternehmen. In: wisu Das Wirtschaftsstudium, 39. Jg., 2010, Heft 10, S. 1304-1305
  • Trimis, D.; Thum, M.; Günther, E. (2010): Konsequenzen des Klimawandels für Unternehmen. In: Umwelt-Report, Jg. 2010, S.8-9.

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Partner

Projektverantwortung:

Technische Universität Dresden
Lehrstuhl für BWL, insb. Betriebliche Umweltökonomie

Prof. Dr. Edeltraud Günther
Kristin Stechemesser
Julian Meyr
Jana Herrmann
Anne Bergmann
Jo-Ting Huang
Julia Hillmann

Projektpartner:
Technische Universität Dresden
Lehrstuhl für VWL, insb. Finanzwissenschaft

Prof. Dr. Marcel Thum
Heike Auerswald

Technische Universität Dresden
Institut für Siedlungs- und Industriewasserwirtschaft
Professur Siedlungswasserwirtschaft

Prof. Dr. Peter Krebs
Sebastian Kempke

Ifo-Institut
Niederlassung Dresden

Prof. Dr. Marcel Thum
Dr. Gerit Vogt
Robert Lehmann

TU Bergakademie Freiberg
Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik
Lehrstuhl für Gas- und Wärmetechnische Anlagen

Prof. Dr.-Ing. Dimosthenis Trimis
Andreas Herrmann

Assoziierte, externe Partner:
Industrie- und Handelskammer Dresden
Handwerkskammer Dresden
Landeshauptstadt Dresden

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Verantwortlich

Technische Universität Dresden
Lehrstuhl für Betriebliche Umweltökonomie
Prof. Dr. Edeltraud Günther
bu[...]mailbox.tu-dresden.de

Ansprechpartner

Julian Meyr
julian.meyr[...]tu-dresden.de

 

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